Erik Prince: Der Söldner-Prinz

Er war CIA-Agent und Chef des weltweit größten Kriegsdienstleisters Blackwater. Jetzt wittert Erik Prince ein neues Geschäft: Donald Trump will mehr Kämpfer nach Afghanistan schicken.

Wenn ein Hollywood-Regisseur die Rolle eines Soldatenführers besetzen
müsste, der seine Truppe bereit macht für ein Himmelfahrtskommando – Erik Prince wäre sein
Mann. Drahtig, fit, das Gesicht zerfurcht, das blonde Haar militärisch kurz. Er, der einst
Tausende Männer in den Krieg schickte und damit viel Geld verdiente, sitzt nun in seinem Haus
in Virginia vor einem Kamin, an dem ein Lebkuchenherz vom Münchner Oktoberfest hängt.
Normalerweise gibt er keine Interviews. An diesem Augusttag aber, nach immer neuen Anfragen,
Dutzenden E-Mails und geplatzten Verabredungen, ist er zumindest zu einem Gespräch aus der
Ferne bereit, über Skype.

Prince hat nun ja auch etwas mitzuteilen, weil der US-Präsident erneut Soldaten nach Afghanistan schicken will. Prince will sie ihm beschaffen und damit Geld verdienen. Er wirkt etwas ungeduldig, wenn man Zweifel anmeldet an dem Vorhaben, jeden zweiten Satz beginnt er mit einem
“Look!”,
“Sehen Sie!”, und legt dabei die Stirn in Falten.

Prince ist 48 Jahre alt. Als junger Mann war er bei den Navy Seals, einer Eliteeinheit der US-Marine, gedrillte Profis, ausgebildet zu menschlichen Nahkampfwaffen. Weltweit berüchtigt aber wurde er als Chef von Blackwater, einem privaten Militärdienstleister, man könnte auch sagen: der einst größten Söldneragentur der Welt. Unter anderem stellte er im Auftrag der US-Regierung Einsatzkräfte für den Irakkrieg.

Nicht alles lief damals nach Plan. 2004 wurden vier seiner Soldaten in Falludscha von einem wütenden Mob niedergemetzelt, ihre Leichen verbrannt und an einer Brücke aufgehängt. Später verklagten die Angehörigen der Toten Blackwater, weil das Unternehmen seine Söldner nicht ausreichend geschützt habe. Drei Jahre später erschossen Blackwater-Kämpfer in Bagdad 17 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Die Bilder des Massakers gingen um die Welt, fortan war der Name Blackwater mit den toten Kindern verbunden.

Die Söldner übernehmen

Nach dem Kalten Krieg brauchen die USA weniger Soldaten. Das ändert sich am 11. September 2001. Der Terroranschlag trifft das Militär unvorbereitet, private Söldnerfirmen bieten Verstärkung an. Bei den US-Einsätzen in Afghanistan und im Irak kommt laut Militärexperten rund die Hälfte der Einsatzkräfte von Privatfirmen. Blackwater etwa bewacht Beamte und Diplomaten, mit Aufträgen vom Staat verdient das Unternehmen von 2001 bis 2009 mehr als eine Milliarde Dollar. Nach dem Massaker durch Blackwater-Söldner in Bagdad 2007 bricht der Umsatz ein. Unternehmenschef Erik Prince ändert den Namen der Firma in Xe, 2010 verkauft er sie für 200 Millionen Dollar an Investoren, die sie fortan Academi nennen. Kritiker warnen, dass private Einsatzkräfte vor allem ein Interesse hätten: den Krieg am Laufen zu halten, weil sie im Frieden weniger verdienen.

Die Branche hofft auf Trump

In jüngerer Vergangenheit hat etwa Nigeria Spezialeinheiten samt Kampfhubschraubern eingekauft, um Terroristen zu bekämpfen. Nun hofft die Branche auf Aufträge von der US-Regierung. Neben Erik Prince bietet auch der New Yorker Investor Stephen Feinberg dem Weißen Haus eine Privatarmee an. Er hatte deshalb bereits eine Audienz bei Präsident Trump.

Blackwater gibt es heute nicht mehr, Prince hat die Firma umbenannt und dann verkauft. Das Geschäftsmodell hat er aber nicht aufgegeben. Er bietet das, wofür sonst staatliche Armeen und Polizeitruppen zuständig sind: Sicherheit und Verteidigung. Seine aktuelle Firma Frontier Services Group ist für Bau- und Energiekonzerne in Afrika im Einsatz. Bald aber will Prince wieder in den Krieg ziehen. Er will eine private Armee nach Afghanistan schicken, für US-Präsident Donald Trump.

Der hat in der vergangenen Woche eine “neue Strategie” für Afghanistan angekündigt. Wie genau die aussehen soll, ließ er offen. Er kündigte jedoch an, rund 4.000 zusätzliche Soldaten zu schicken.

2014 haben die USA und die Nato ihre Kampfeinsätze in Afghanistan offiziell beendet. Seitdem sind die Taliban auf dem Vormarsch; die Regierung in Kabul hat die Kontrolle über weite Teile des Landes verloren. Trumps neue Truppen sollen – anders als die meisten der derzeit in Afghanistan stationierten US-Soldaten – nicht nur einheimische Streitkräfte ausbilden und beraten, sondern auch wieder selbst kämpfen, gegen die Taliban und den sogenannten “Islamischen Staat”.

Erik Prince sagt nun, private Söldner seien besser und billiger als die Soldaten des Pentagon. Statt der 45 Milliarden, die Washington derzeit jährlich für den Afghanistan-Einsatz ausgibt, veranschlagt er für seine Privatarmee nur zehn Milliarden Dollar.

Im Detail geht sein Plan, von dem er vor seinem Kamin sitzend bereitwillig erzählt, so: Die Söldner, die er “Sicherheitsprofis” nennt, sollen nicht in bewachten Camps leben, sondern mit den afghanischen Truppen unter einem Dach. “Sie sollen in den gleichen Baracken leben, mit ihnen trainieren und, bei Bedarf, Seite an Seite kämpfen.” So würden die Amerikaner von den Afghanen eher akzeptiert. Außerdem will er 90 private Flugzeuge schicken, um seine Bodentruppen zu unterstützen.

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