Kim Jong Un: Nordkorea schießt Rakete über Japan hinweg

Kim Jong Un hat erstmals ohne Ankündigung eine Rakete über das Nachbarland schießen lassen. Japan sieht sich “ernsthaft bedroht”, Trump sicherte seine Unterstützung zu.

Nordkorea hat nach Angaben Südkoreas eine
ballistische Rakete über Japan hinweg geschossen, wie die koreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete. Das “nicht identifizierte Geschoss” wurde demnach um 5.57 Uhr von der
nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang aus abgefeuert und flog etwa 2.700 Kilometer weit und 550 Kilometer hoch, teilte der Generalstab der
südkoreanischen Armee mit.

Nach Berichten des japanischen
Senders NHK gingen Teile der Rakete im Pazifik etwa 1.180 Kilometer
östlich der nördlichen Insel Hokkaido nieder. Japan habe jedoch
keine Abwehrrakete gestartet, hieß es unter Berufung auf das Militär.
Damit erreicht der Konflikt um Nordkorea eine neue Eskalationsstufe.

Japan
und seine Schutzmacht USA wollen den Druck auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un weiter erhöhen. Darauf
verständigte sich der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit US-Präsident Donald
Trump. Dieser habe ihm versichert, dass die
USA zu “100 Prozent” hinter Japan stünden, sagte Abe. Laut japanischen Medienberichten forderte Abe die Einberufung des UN-Sicherheitsrats und versicherte der Bevölkerung, er werde “alle Schritte”
zu ihrem Schutz unternehmen. Der Raketenabschuss stelle
eine “ernste und schwerwiegende Bedrohung Japans
dar”, betonte der japanische Regierungssprecher Yoshihide Suga.

Nur wenige Stunden nach dem Abschuss reagierte Südkorea mit einer Militärübung. Vier F15K-Kampfjets hätten
auf einen Schießplatz in der Nähe der innerkoreanischen Grenze Bomben
fallen lassen, teilte ein Sprecher von Präsident Moon Jae In mit. Bei der Übung sei die nordkoreanische Führung als simuliertes Ziel
ausgegeben worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.
Moon hatte zuvor die Streitkräfte angewiesen, ihre Kampfkraft zu
demonstrieren.

Der Nationale Sicherheitsrat in Südkorea
verurteilte den Raketentest durch Nordkorea als Verletzung von
UN-Resolutionen. Diese verbieten dem Land Tests mit ballistischen
Raketen. Das sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart
konventionelle, chemische, biologische oder atomare Sprengkopf
transportieren können.

Es war
nicht das erste Mal, dass eine Rakete Nordkoreas über Japan hinwegflog – dies geschah zuletzt beim Abschuss einer Langstreckenrakete vom Typ
Taepodong-2 im Jahr 2009.
Es war laut NHK allerdings das erste Mal, dass dies unangekündigt
passierte.

Das US-Verteidigungsministerium bestätigte, dass die
von Nordkorea abgefeuerte Rakete über Japan hinweg geflogen sei. Der
Test werde derzeit noch ausgewertet, teilte Pentagon-Sprecher Robert
Manning mit. Das Nordamerikanisches Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando (Norad)
gab Entwarnung für die USA: Das Geschoss habe keine Bedrohung für
Nordamerika dargestellt.

Ein Analyst des Institute for Far
Eastern Studies (IFES) in Seoul sagte, erste Daten des Fluges legten
nahe, dass es sich bei der abgeschossenen Rakete um den Typ Hwasong-12
handelte, eine neuere Mittelstreckenrakete von der Art, wie Nordkorea sie laut Drohung in Richtung des US-Außengebiets Guam schießen will.

Nordkorea hatte erst zwei Tage zuvor drei Kurzstreckenraketen abgefeuert,
offenbar als Reaktion auf ein gemeinsames Militärmanöver der USA und
Südkoreas. Der US-Armee zufolge stürzten die Raketen ins Meer und
stellten keine Gefahr für das nordamerikanische Festland und die
Pazifikinsel Guam dar, auf der die USA mehrere Militärstützpunkte
unterhalten.

Nordkorea hatte Anfang August damit gedroht, Raketen
in Richtung Guam abzufeuern. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump
Pjöngjang mit “Feuer und Wut” indirekt einen Atomwaffeneinsatz
angedroht. Pjöngjang hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen
getestet, die nach Angaben der Regierung Ziele auf dem US-Festland
erreichen können. Daraufhin verschärfte sich der Ton zwischen Washington
und Pjöngjang deutlich. Zudem verhängte der Weltsicherheitsrat die bislang schärfsten
Wirtschaftssanktionen gegen das diplomatisch isolierte Land.

Nordkorea
arbeitet an Raketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen
können. Nordkorea wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Manöver mit
Südkorea eine Angriff vorzubereiten, was beide Länder bestreiten.

(Visited 6 times, 1 visits today)